| Comment | Es ist erstaunlich, wie unbeirrt hier aneinander vorbeigeredet wird.
@AndreasS, dirk, Ludwig, Thomas: Es bestreitet niemand, dass eine Ortsangabe (Frage „wo“) den 3. Fall und die Richtungsangabe (Frage „wohin“) den 4. Fall verlangt. Es bestreitet niemand, dass man „in einem Restaurant“ (Dativ) essen kann oder alternativ „in ein Restaurant“ (Akkusativ) gehen kann.
Bestritten wird, dass man an einem Zielort (Restaurant, Strand, Straße) „gehen“ kann, um dort etwas zu tun (essen, spielen, tanzen, singen). Wenn „gehen“ mit einem Zeitwort kombiniert wird (z.B. essen gehen), impliziert das die feste Absicht, sich erst zu einem Zielort hinzubewegen (das hat Anne gemeint). Wenn „gehen“ hingegen kein zweites Verb bei sich stehen hat, sondern mit einer Ortsangabe gekoppelt wird, bedeutet es „(herum)marschieren“ (to walk): „Als ich auf der Straße ging, sah ich …“ (In dieser zweiten Bedeutung greift man allerdings oft zu anderen Verben wie „spazieren“, „marschieren“, „herumgehen“ „auf- und ab gehen“ u.Ä).
Man natürlich sehr wohl beschließen, sich zu einem Zielort innerhalb eines größeren Standortes zu bewegen. Das habe ich am Beginn dieser Diskussion schon angesprochen („You go to a place in order to decide there to go to a yet different place, where you eventually do what you intend to do.“) Das ist bei dirks letztem Beispielsatz der Fall:
„Ich gehe bei/an/in der nächsten Raststätte pinkeln“ = 1) Ich begebe mich zur Raststätte 2) Ich beschließe dort, pinkeln zu gehen, und zwar IN DAS WC (Akkusativ!).
Das ist ein sinnvoller Satz, weil die Raststätte ein größerer Ort ist als das WC. Ähnlich bei dem Satz „Ich bin in Rom einkaufen gegangen“ oder „Ich möchte im Theater Autogramme sammeln gehen“. Nicht sinnvoll ist hingegen der Satz „Ich bin im Restaurant essen gegangen“, weil es im Restaurant keinen kleineren Zielort mehr gibt, den man des Essens wegen aufsuchen könnte. In Euren Dativbeispielen interpretiert man daher „gehen“ unwillkürlich als „am Ort marschieren“ und liest somit *Wir sind in einem Restaurant essen marschiert* oder *I went AT the restaurant so as to eat*. Dass das keine sinnvollen Aussagen sind, dürfte klar sein.
Soweit die Situation in der Standardsprache. Dass es in einigen Dialekten Abweichungen davon gibt (z.B. im Berlinerischen, einem Paradebeispiel für den falschen Gebrauch von Dativ bzw. Akkusativ) ändert nichts daran. Dialektgebrauch muss man von Hochdeutsch klar trennen. |
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