| Comment | Um 1980 sah ich einmal in der Auslage einer Buchandlung einen Band mit dem vielversprechenden Titel "Der Frust des Sponti bei der Demo". Da schien wenigstens noch jemandem etwas aufzufallen, und noch war solches Verstümmeln ja eher auf den Jargon (oder meinetwegen Soziolekt) sprechfaul gewordener Nicht-einmal-68er beschränkt. Aber heute verwenden Nachrichtensprecher und andere Multiplikatoren mir nichts, dir nichts Ausdrücke wie die in diesem Thread inkriminierten; wem (außer mir) rollt es noch die Zehennägel auf, wenn statt Information(en) nur mehr Infos angeboten werden? V, Dragon, York et al. haben schon recht, dass man die Kirche im Dorf lassen soll. Solange Abkürzungen Gruppen-intern gebraucht werden (sei's aus pragmatischen Gründen, sei's um des gemeinschaftstiftenden Moments eines Codes willen), ist nicht allzuviel dagegen einzuwenden. Indes: Wenn Andere diese Ausdrücke aufnehmen, sollte das m. E. bewusst spielerisch, unter Wahrung des Zitat-Charakters geschehen. Solcher Einsatz des Jargons kann sogar erkenntnisstiftend sein und ästhetisch fruchtbringend. Salingers "The Catcher in the Rye" lebt davon; was aber passiert, wenn was dort kunstvolles Durchziehen einer Sprach-Haltung war, unreflektierter Übernahme Platz macht, erleben wir derzeit: Die Krüppel-Sprache der Gerichtssaal- und Talkshows von RTL und Co. wird unter der Hand zum neuen Standard. Das kritische Potential dessen, was nun nicht mehr zitiert, sondern ohnmächtig wiedergekäut wird, ist dahin; statt der Sprache ein weiteres Register hinzuzufügen, wird alles auf das am meisten restringierte reduziert. Ich mag jetzt reichlich weit vom Ursprungsthema abgedriftet sein, aber ich denke, die einreißende Diktatur der Kurz-Wörter ist Bestandteil einer umfassenderen Verarmung, und ich werde den Verdacht nicht los, dass die Verstümmelung Vorbotin des Verstummens ist. |
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