| Comment | Nicht so einfach, wie man denkt, offenbar. Ich bekenne, dass ich, trotz jahrelanger Übung, manche -ie-Wörter immer noch herunterschlucke, bevor ich meine Version in den öffentlichen Raum werfe. Die Fremdwörter auf -ie gehören zu den wenigen Ausspracherätseln im Deutschen. Wieso sagt man "Zeremon'i:", aber "Zere'mo:nɪənmeister" (Entschuldigung für die partielle Lautschrift).
Ethnie/Ethnien:
Duden Universal (2006) gibt an (ohne IPA) Eth'nie, sagt aber nur, dass der Plural auf -n gebildet wird. Daraus ließe sich problematischerweise ablesen, dass auch im Plural langes betontes i gesprochen wird. Zum Stichwort Elegie ist es ähnlich (Ele'gi:, Plural auf -n), aber hier gibt's den Eintrag "Elegiendichter": E-le-gi-en... (ohne Lautschrift, aber klar genug). Brockhaus/Wahrig (6 Bde, nur 1980f.) gibt langes i und Betonung auf der zweiten Silbe an, ebenfalls keine Klarheit über den Plural. Wahrig Deutsches Wörterbuch (ich habe die neueste Auflage nicht) verzeichnet das Wort nicht. Pons/Collins hat es ebenfalls nicht.
Hat jemand den Ausspracheduden? (Ich nicht, denn abgesehen von Sonderfällen wie hier sind über 90% der deutschen Wörter vorhersehbar in der Aussprache.)
Analog zu anderen Wörtern müsste der Plural mit langem i + schwachem e gebildet werden:
Analogie - Analogie-en ('iːən) Zeremonie, dito Elegie, dito, s.o.
Die Aussprache im Plural wäre /et'niːən/, wohlgemerkt mit geschlossenem kurzem /e/ am Anfang (nicht /ɛ/), vgl. andere Fremdwörter, in denen bei kurzer unbetonter Anfangssilbe der gekürzte geschlossene Vokal vorkommt, den es im Deutschen sonst nur lang gibt: e'norm; vi'tal; o'ral, U'ral.
Ich habe auch schon /'ɛtniːən/ gehört, aber mit ziemlicher Sicherheit ist das nicht korrekt. Im Singular kommt es ohnehin selten vor, aber da läuft wohl alles auf das betonte lange i hinaus.
Bei den botanischen Namen Bro'melie, Ge'ranie usw. kenne ich nur den Doppellaut am Schluss aus i + schwachem e.
Das einzige deutsche Wort (d.h. nicht aus romanischen oder anderen Sprachen eingeführte Wort), das ähnliche Schwierigkeiten macht, ist "Knie". Sowohl der Plural als auch das abgeleitete Tätigkeitswort ("knien") können mit langem i oder einer Kombination aus i + abgeschwächtem e (schwa) gesprochen werden.
Ausnahmsweise scheint Wiki (#4) hier auf der Siegerseite, und das Nachtessen scheint mir sehr zweifelhaft. |
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