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    Wie so weit und still die Welt

    [poet.]
    Sources
    Ich versuche gerage das Gedicht "Markt und Straßen stehn verlassen" ins Englische zu übersetzen und habe einige Probleme damit. Besonders die dritte Strophe macht ziemliche Probleme. Wer kann helfen?

    Und ich wandre aus den Mauern
    Bis hinaus ins freie Feld,
    Hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
    Wie so weit und still die Welt!
    AuthorEllen_4 (771764) 10 Dec 11, 08:55
    Sources
    Comment
    Try the link .....
    #1Author John de Vreeze (748260) 10 Dec 11, 09:11
    Comment
    Diesenn Link werde ich mir merken.
    Super. Danke schön.
    #2AuthorEllen_4 (771764) 10 Dec 11, 09:15
    Comment
    Kein großer Dichter, aber hier ist mein Versuch:

    Leaving the city walls behind me
    I wander into open countryside
    A holy shiver, a sublime resplendency
    How silent is this world, and wide!
    #3Author Carullus (670120) 10 Dec 11, 09:17
    Comment
    Danke schön. Das hört sich für mich viel besser an, als ich es in dem Link gefunden habe.
    #4AuthorEllen_4 (771764) 10 Dec 11, 09:43
    Comment
    Ich würde hier ein "einfacheres" Wort nehmen als "resplendency", das heute den meisten, behaupte ich, recht wenig bedeutet; "splendour" vielleicht.

    Auch das "holy shiver" bereitet mir Probleme: ich denke sofort ans Vor-Kälte-Zittern. Ich würde hier doch evtl. bei "holy awe" bleiben, oder evtl. "holy wonder", nur geht "wonder" nach "wander" und dann insbesondere nach "splendour" kaum.

    Aber ohne Artikel.

    Es fehlt auch Interpunktion am Ende des zweiten und dritten Verses.

    "Leaving the city walls behind
    I wander into open countryside,
    Sublime splendour, holy awe
    As wide and silent as the world."

    wäre mein Versuch mit Inanspruchnahme von Teilen von Carullus Versen 1 u. 2.

    *edit*

    Oh, Reim nicht vergessen:

    " ...
    As silent as the world, as wide."
    #5AuthorPhillipp10 Dec 11, 11:04
    Comment
    Ich würde hier ein "einfacheres" Wort nehmen als "resplendency", das heute den meisten, behaupte ich, recht wenig bedeutet;

    Mir ist schon bewusst, dass das vielleicht etwas archaisch ist. Aber nachdem Eichendorff 1857 gestorben ist, finde ich das nicht unpassend; "hehres Glänzen" ist ja auch nicht gerade Umgangssprache. Gewählt habe ich es vor allem weil es vom Versmaß annähernd passt und sich mit "me" aus der ersten Zeile reimt. (Deshalb auch die Umstellung der Wortgruppen.)

    "Awe" statt "shiver" gefiele mir allerdings auch besser.

    Die letzte Zeile "Wie so weit und still die Welt" lese ich als "Wie ist so weit und still die Welt", dh "Wie still und weit die Welt doch ist", während Du das Glänzen und Schauern mit der Welt gleichzusetzen scheinst, wonach beides weit und still sei, sehe ich das richtig? Das müsste dann mE im Original aber "So weit und still wie die Welt" oder "Wie die Welt so weit und still" heißen. Daher mein Ansatz mit "how", und nicht "as".


    #6Author Carullus (670120) 10 Dec 11, 11:46
    Comment
    Mir ist schon bewusst, dass das vielleicht etwas archaisch ist.

    Nicht nur etwas archaisch sondern auch schwammig. Man übersetzt heute für den heutigen Leser, nicht für den Leser von gestern, oder um ein Museumsstück herzustellen. So mein Credo in Sachen Übersetzung.

    Zur Auslegung des letzten Verses: Für den Fall, dass "meine" Auslegung wirklich nicht in die Tüte kommt, dann muss wenigstens ein Komma oder Ausrufezeichen am Ende des dritten Verses bei dir stehen.

    (Mich stört allerdings auch die Inversion in deinem letzten Vers. Ja, ich weiß, früher kam Inversion in der Lyrik sehr häufig vor und der Dichter starb doch vor 150 Jahren, aber wie gesagt: Eine heutige Übersetzung soll meines Erachtens möglichst die Sprache von heute verwenden. Dass es Englischsprachige gibt, die diesen Punkt, sagen wir, lascher sehen als ich, ist mir schon klar.)
    #7AuthorPhillipp10 Dec 11, 12:27
    Comment
    Heil'ges Schauern: Hätte Eichendorff nicht genau auf Mauern reimen wollen, würde er heutzutage mit Rücksicht auf den Bedeutungswandel wohl heil'ges Schaudern reimen. Schauer/shower; Schauder/shudder.
    Hehres Glänzen lässt sich auch mit noble lustre wiedergeben.
    #8Author Hermann J. (426232) 10 Dec 11, 12:34
    Comment
    Man übersetzt heute für den heutigen Leser, nicht für den Leser von gestern, oder um ein Museumsstück herzustellen.

    Da kann man allerdings geteilter Meinung sein. Ich halte es im Gegenteil für eine geglückte Übersetzung wenn der Übersetzer es schafft den Stil und Tonfall des Autors halbwegs wiederzugeben. Die Wortwahl gehört da durchaus auch dazu. Eine moderne Shakespeareübersetzung klingt ja auch nicht unbedingt nach einem Schriftsteller des 21. Jahrhunderts.

    Mich stört allerdings auch die Inversion in deinem letzten Vers. Ja, ich weiß, früher kam Inversion in der Lyrik sehr häufig vor

    Genau, und reimen soll es sich ja auch noch.

    Hehres Glänzen lässt sich auch mit noble lustre wiedergeben.

    Sicher, auch andere Wortkombinationen sind denkbar, bis hin zu sumptuous shininess :)
    #9Author Carullus (670120) 10 Dec 11, 12:41
    Comment
    Ich halte es im Gegenteil für eine geglückte Übersetzung wenn der Übersetzer es schafft den Stil und Tonfall des Autors halbwegs wiederzugeben.

    Da sind wir aber nicht geteilter Meinung. Einiges vom Original in die Jetztzeit hinüberzuretten und gleichzeitig die heutige Sprache dafür zu verwenden, zu wissen, wo man Archaismen wagen kann, ohne lächerlich oder sonst wie zu wirken, oder eben Paralleleffekte zu erzielen, ist erwünscht (und auch eine hohe Kunst).

    Aber mit z.B. "sublime resplendency" ist das nicht getan. Auch nicht unbedingt mit der Einführung von Inversionen. Da sind wir ganz entschieden geteilter Meinung.
    #10AuthorPhillipp10 Dec 11, 12:58
    Comment
    Leider konnte ich gestern nicht mehr auf eure Kommentare antworten. Aber ich habe sie alle gelesen und danke euch sehr.
    Ich bin der Ansicht, dass man versuchen sollte, dem Original so nahe wie möglich zu kommen, auch und insbesondere dem Sprachstil.
    So habe ich nun versucht, das ganze Gedicht zu übersetzen und ich wäre dankbar eure Kommentare dazu zu hören.
    Natürlich war eine 1:1 Übersetzung nicht möglich, aber ich habe versucht, die Stimmung rüberzubringen. Allerdings bin ich ein wenig unglücklich darüber, dass es mir nicht gelungen einen Reim für die Verse 2 und 4 in der letzten Strophe zu finden. Aber vielleicht habt ihr ja einige Ideen.
    Hier nun mein Übersetzungsansatz, wobei ich einige eurer Ideen übernommen habe:

    Streets and markets lie deserted,
    Every house is still and bright.
    Pensive through the lanes I wander
    Through this peaceful, quiet night.

    At the windows pious women
    Hung up gingerbread and toys.
    Happy children stand amazed
    Singing carols and rejoice.

    And I wander through the village
    Into the open countryside.
    Sublime resplendence, holy awe!
    How silent is this world, and wide!

    High up stars bestow a thousand lights,
    And from the snow’s white solitude
    Resounds angelic peaceful singing
    O thou mercifully blessed time!
    #11AuthorEllen_4 (771764) 11 Dec 11, 09:33
    Comment
    Eine heutige Übersetzung soll meines Erachtens möglichst die Sprache von heute verwenden. Dass es Englischsprachige gibt, die diesen Punkt, sagen wir, lascher sehen als ich, ist mir schon klar.

    Nicht nur Englischsprachige. Es stieß kürzlich auf erhebliches Befremden, als ich in einem Zitat aus einer schon recht betagten SF-Kurzgeschichte das Wort "Handy" gebrauchte. Im Original stand "wrist radio"; aber in der Sache war es doch das, was der Autor antizipiert hatte, also hielt ich diese Übersetzung in die "Sprache von heute" für legitim. Aber ich musste es zurücknehmen.

    Nicht nur etwas archaisch sondern auch schwammig. Man übersetzt heute für den heutigen Leser, nicht für den Leser von gestern, oder um ein Museumsstück herzustellen. So mein Credo in Sachen Übersetzung.

    Daran ist bekanntlich auch Wolfgang Krege grandios gescheitert, als er den Herrn der Ringe "für den heutigen Leser" übersetzte.
    #12Author Restitutus (765254) 11 Dec 11, 10:02
    Comment
    Es ist eine recht freie Übersetzung, die mir aber dennoch gut gefällt. Im Original gibt es in jeder Strophe zwei Reime (ABAB), aber das ist wohl nur schwer umzusetzen.
    #13Author Carullus (670120) 11 Dec 11, 10:08
    Comment
    Die letzte Zeile der letzten Strophe holpert, weil sie länger ist als die vorherigen. Würde man "high up" löschen, wäre das Problem m.E. gelöst.
    Ansonsten: Lob!
    #14AuthorBraunbärin (757733) 11 Dec 11, 10:16
    Comment
    Vielen Dank für die Kommentare.
    @ Carullus
    Das mit der ziemlich freien Übersetzung stimmt wohl, aber näher dran habe ich es einfach nicht hinbekommen. Insbsondere nicht was das originale Reimschema betrifft.

    @ Braunbärin
    Du hast Recht mit der ersten Zeile des letzten Verses. Ich habe das "High up" weggenommen und es hört sich besser an.
    Die letzte Zeile stört mich jedoch immer noch etwas, aber wie heißt es so schön: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!
    #15AuthorEllen_4 (771764) 11 Dec 11, 10:24
    Comment
    Daran ist bekanntlich auch Wolfgang Krege grandios gescheitert, als er den Herrn der Ringe "für den heutigen Leser" übersetzte.

    Wie gesagt, diese Gratwanderung zwischen heutiger Sprache (worunter ich sehr viel mehr als den einfältigen Gebrauch von heute geläufigen Vokabeln und Wendungen verstehe), ist eine hohe Kunst. Jeder soll seine Grenzen kennen. Dass Herr Krege seine Grenzen vielleicht nicht kennt, macht die Sache an sich nicht schlecht -- nur seine Übersetzung (die ich übrigens nicht kenne).

    Zur Übersetzung (#11):

    Dass du die strenge Wiedergabe des Reimschemas aufgegeben hast: richtig, finde ich.

    Die erste Strophe finde ich sehr schön (trotz oder auch teilweise wegen der Inversion).

    Man stolpert über "hung" in der 2. Strophe, soll hier unbedingt in "hang" geändert werden.

    Bei "amazed" fängt eine neue Schwierigkeit an: Der Vers müsste eigentlich eine weibliche Endung haben, vielleicht "and marvel"?

    "Singing carols and rejoice" geht nicht -- 1. nach dem "and" erwartet man ein Hauptwort, oder 2. um das syntaktisch richtig zu machen, müsste es heißen "Singing carols and rejoicing" -- aber dann geht dein (sowieso unschöner) Reim verloren.

    Die 3. Strophe übersrpringe ich.

    Um nicht nur knauserig zu wirken, zusätzlich zu den Vorschlägen für die 2. Strophe oben hier ein paar Ideen zur 4.:

    "Lofty stars revolving circles
    From the snow's white, lonely face
    Climbs angelic peaceful singing
    Time of mercy, time of grace."
    #16AuthorPhillipp11 Dec 11, 12:22
    Comment
    Hallo Phillip,

    Vielen Dank für deine Mühe.

    Was das "hung" angeht, hatte ich zuerst die Präsensform; ich weiß selbst nicht mehr, warum ich es dann geändert habe.

    Und das "marvel" werde ich wohl übernehmen.

    Was das "rejoicing" angeht hast du Recht; das Wort "rejoice" ist tatsächlich nur dem Reim geschuldet - ist der wirklich so unschön?

    Deine 4. Strophe ist super. Die werde ich so übernehmen, wenn du erlaubst.

    Danke für deine Hilfe.
    #17AuthorEllen_4 (771764) 11 Dec 11, 12:51
    Comment
    Was das "rejoicing" angeht hast du Recht; das Wort "rejoice" ist tatsächlich nur dem Reim geschuldet - ist der wirklich so unschön?

    Der Reim ist unschön aber, wie gesagt, syntaktisch ist dieses "rejoice" auch fehlerhaft.

    Ich überleg's mir.

    Was die 4. Strophe angeht, die war nicht als fertiges Ding gedacht, sondern nur als "Ideen" (um die Strophenform zurück zur Eichendorffschen zu führen, mit 2x weiblichen Versendungen, usw.). Aber ehrlich gesagt, wenn du sie übernehmen möchtest, dann meinetwegen, ohne Haftung, ohne Gewähr, ich habe nicht die Zeit weiter dran zu feilen ;-)

    *edit*

    Eine Weile später ...

    Hier ein letztes Opfer, das ich selber doch ein bisschen peinlich finde, da nach dem Reim-dich-oder-ich fresse-dich-Prinzip erfunden:

    "At the windows pious women
    Hang up gingerbread and toys.
    Countless children stand and marvel,
    Quiet, happy girls and boys."

    Oder um deine "singing carols"-Idee zu behalten:

    "At the windows pious women
    Hang up gingerbread and toys.
    Happy children stand and marvel,
    Carol-singing girls and boys."

    Nur bricht das dann plötzlich mit den Kindern vom vorhergehenden Vers.
    #18AuthorPhillipp11 Dec 11, 13:04
    Comment
    @ Ellen_4: Falls du noch daran werkelst ...

    Zur 3. Strophe: Ändere doch bitte auch den 3. Vers in "Holy awe, sublime resplendence!" (damit hast du dann auch hier die weibliche Endung).

    Oder nimm doch die Gelegenheit, das Unding "resplendence" durch z.B. Hermann J.s (#8) "lustre" zu ersetzen, z.B.:

    "Holy awe, heavenly lustre!"

    Das deutsche Wort "Glanz" ist wie ein schön sanfter Faustschlag und immer noch im alltäglichen Gebrauch; "resplendence" dagegen ein lauwarmer Waschlappen, zudem sehr selten verwendet.
    #19AuthorPhillipp13 Dec 11, 10:35
    Comment
    Das ist toll. Ich hab grad echt nen Kloß im Hals. Das ist eh mein Lieblings-Weihnachtsgedicht. Und dann in einer so wunderbaren Übersetzung. Außerdem werde ich gerade hellgelb vor Neid.
    #20Author B.L.Z. Bubb (601295) 13 Dec 11, 10:45
    Comment
    P.S.: Dürfte ich ggf. die englische Version für meine Weihnachtskarten dies Jahr verwenden?
    #21Author B.L.Z. Bubb (601295) 13 Dec 11, 11:47
    Comment
    Welche Version meinst du, Bubb? Ellens Übersetzung ist das. Meine zusammengestoppelte Präferenz wäre:

    Streets and markets lie deserted,
    Every house is still and bright.
    Pensive through the lanes I wander
    Through this peaceful, silent night.

    At the windows pious women
    Hang up gingerbread and toys.
    Countless children stand and marvel,
    Quiet, happy girls and boys.

    And I wander through the village
    To the open countryside.
    Holy awe, heavenly lustre!
    How silent is this world, and wide!

    Lofty stars revolving circles,
    From the snow's white, lonely face
    It climbs like angelic singing --
    Time of mercy, time of grace.


    Aber du brauchst Ellens grünes Licht!
    #22AuthorPhillipp13 Dec 11, 12:02
    Comment
    Schon klar ;-)

    Ich hab übrigens noch einige Verschlimmbesserungen vorgenommen ;-)

    Streets and markets lie deserted,
    Every house is still and bright.
    Pensive through the lanes I wander
    Through this peaceful, quiet night.

    At the windows pious women
    Hang up gingerbread and toys.
    Happy children stand and marvel,
    Carol-singing girls and boys.

    And I wander through the village
    Into open countryside.
    Sublime resplendence, holy awe!
    Oh! How silent is this world, and wide!

    Lofty stars revolve in circles,
    From the snow's white, lonely face
    Climbs angelic peaceful singing
    Time of mercy, time of grace.
    #23Author B.L.Z. Bubb (601295) 13 Dec 11, 12:06
    Comment
    Na meinetwegen. Das schlimme "Oh!" sei dir geschenkt. Aber der dritte Vers der 3. Strophe biiiitte in meine Version in #22 ändern. So wie er steht, ist er ein Verbrechen. Und überleg', ob nicht der dritte Vers der 4. Strophe geändert wird, um u.a. die Verdoppelung von "peacful" im Gedicht zu vermeiden.
    #24AuthorPhillipp13 Dec 11, 12:20
    Comment
    Ist das "Oh" wirklich so schlimm? Ich fand, so paßt das Versmaß besser.

    OK, die dritte und vierte Strophe hab ich geändert ;-)
    #25Author B.L.Z. Bubb (601295) 13 Dec 11, 12:23
    Comment
    Würde selber eher das "Oh!" weglassen.
    #26AuthorPhillipp13 Dec 11, 12:26
    Comment
    I do like your version in #22, Phillipp, but personally I would avoid 'happy girls and boys' because of its echo of the Ovaltineys' song -- '... because we all drink Ovaltine / We're happy girls and boys'.
    (In case you think this makes me ancient, the song was revived in the 60s and 70s! Yes, unfortunately I do have a lot of rubbish lurking in the recesses of my mind.)

    I would also turn round stanza 3, line 3, to take account of the stresses:
    Heavenly lustre, holy awe! /
    How silent is this world, and wide!

    -- because the following line, exceptionally, doesn't start with one of the four main beats, so that, in effect, 'How' gives the third line a 'feminine' ending. Of course, I'm not suggesting one would read it aloud with a mechanical dum-di-dum rhythm: the actual stressing of each word would depart slightly from the underlying scheme.
    #27AuthorHecuba - UK (250280) 13 Dec 11, 15:15
    Comment
    Hallo an alle,

    Wow, ich hätte nicht gedacht, dass sich noch so viele melden. Vielen Dank an alle. Ich bin gerade erst wieder an den PC gekommen und hätte nicht gedacht diesen Thread noch so weit oben zu finden.
    Ich werde mich morgen noch einmal intensiv mit dem Gedicht beschäftigen, aber vorab so viel:

    @ Phillipp

    Den letzten Vers der zweiten Strophe mit den "girls and boys" finde ich persönlich nicht so prickelnd. Irgendwie kann ich mich damit nicht so recht anfreunden. Irgendwie würde ich gerna an den "Christmas Carols" festhalten.
    Ich hatte das Gedicht einem Freund in Schottland geschickt und er meint, dass meine ursprüngliche Form für ihn überhaupt kein Problem darstellt.
    Sein Kommentar: "I can't see what should be wrong with that. That works very well. "

    @ B.L.Z. Bubb

    Von mir aus hast du ebefalls grünes Licht zur Benutzung für deine Weihnachtskarten. Aber es wäre schön, wenn du mir sagen würdest für welche zusammengestrickte Version du dich schlussendlich entschieden hast - rein interesshalber.
    Deine Verbesserung: into open countryside ist gut, denn es bezieht sich auf die Weite der Welt. Aber das "OH" finde ich gaaaaaar nicht gut. Vielleicht könnte man es durch ein "Alas" ersetzen. "Alas, how silent is this world, and wide!"
    Was denkt ihr darüber.

    Nochmals danke an alle.
    #28AuthorEllen_4 (771764) 13 Dec 11, 19:23
    Comment
    @Ellen: Dein Freund in Schottland ist einfach nicht so streng wie ich. ;-) Syntaktisch find ich den Vers immer noch grenzwertig.
    #29AuthorPhillipp13 Dec 11, 19:31
    Comment
    Zu #25 und 28:

    Warum wollt Ihr die makellose Übersetzung How silent is this world, and wide! unbedingt verschlimmbessern? Sowohl

    Oh! How silent is this world, and wide!

    als auch

    Alas, how silent is this world, and wide!

    durchbrechen als Fünfheber das Versmaß. Die Eichendorff-Verse sind ausnahmslos vierhebig, Bubbs und Ellens Übersetzungen (mit Ausnahme von Ellens vierter Strophe) auch - warum sollte ausgerechnet diese Zeile aus dem Schema fallen?

    Ein inhaltlicher Aspekt: Alas drückt Bedauern, Trauer, Schmerz, jedenfalls eine negative Empfindung aus. Das passt nicht zur hymnischen Ausdruckshaltung des Gedichts.
    #30Author Cro-Mignon (751134) 13 Dec 11, 23:19
    Comment
    Naja, ich finde, ohne das "oh" paßt das nicht in den Rythmus der Strophe. Vielleicht bin das nur ich ;-), aber bei sowas bin ich normalerweise sehr streng ;-)

    P.S.: Ich schreib "meine" endgültige Version dann noch hier rein.
    #31Author B.L.Z. Bubb (601295) 14 Dec 11, 08:44
    Comment
    Oh! - Ja! ;-) ggf auch ein 'and' (oder anderes Füllwort)
    Alas - Nein!!! Der Mann freut sich!!

    Leaving village walls behind
    into the open countryside
    splendor sublime, holy trembling of mine
    Behold the world, how silent and wide!

    #32Author wor (335727) 14 Dec 11, 09:16
    Comment
    How so silent is this world and wide. Das 'so' ginge mit dem Versmaß und dem Rhythmus konform. Und ein 'Oh'wäre vermieden. Geht 'how so'? Oder wäre das Denglisch?
    #33Author Hermann J. (426232) 14 Dec 11, 09:33
    Comment
    Och ich liebe es, wenn die Deutschsprachigen sich in der englischen Poesie austoben, wie eine Rutschpartie auf der Skipiste :-)))
    #34AuthorPhillipp14 Dec 11, 09:52
    Comment
    Keine Polemik, bitte ;-)
    #35Author B.L.Z. Bubb (601295) 14 Dec 11, 10:14
    Comment
    @Bubb (#31): Naja, ich finde, ohne das "oh" paßt das nicht in den Rythmus der Strophe.

    Du hast natürlich recht, was den Rhythmus betrifft: Das Eichendorff-Gedicht und die meisten vorgeschlagenen übersetzten Verse sind trochäisch ('x x), die Zeile How silent is this world, and wide! dagegen ist jambisch (x 'x). Aber: Zu den Formregeln eines traditionellen Gedichts gehört neben Reim, Rhythmus und vielem anderen eben auch die Zahl der Hebungen pro Vers. Das gilt natürlich nicht für jede Gedichtform; es gibt freie Rhythmen, es gibt das bewußte Durchbrechen der Vers- und Strophenform zur Betonung einer Aussage und vieles mehr. Das typische Eichendorff-Gedicht aber hält sich genau an das metrische Schema:

    In einem kühlen Grunde,
    Da geht ein Mühlenrad,
    Mein' Liebste ist verschwunden,
    Die dort gewohnet hat.


    x 'x x 'x x 'x x dreihebig weiblich
    x 'x x 'x x 'x dreihebig männlich
    x 'x x 'x x 'x x dreihebig weiblich
    x 'x x 'x x 'x dreihebig männlich

    Eichendorff passt hier eigens die Wortformen an, damit das Versmaß stimmt (mein', gewohnet).

    Wer in der Zeile How silent is this world, and wide! ein oh oder sonst eine betonte Silbe hinzufügt, erhöht die Hebungszahl und durchbricht damit das Versmaß. Die Beibehaltung der trochäischen Struktur wird durch eine m. E. deutlich schwerer wiegende Verletzung des metrischen Schemas erkauft. Davon abgesehen ist auch der Vers davor in Deiner Übersetzung jambisch: Sublime resplendence, holy awe! (x 'x x 'x x 'x x 'x).

    Drum wirf, das bitte ich mir aus,
    das schlimme "oh" flugs wieder raus!
    ;-)
    #36Author Cro-Mignon (751134) 14 Dec 11, 11:05
    Comment
    Gibt's die 36 auf in verständlichem Deutsch?

    SCNR ;-)
    #37Author B.L.Z. Bubb (601295) 14 Dec 11, 11:14
    Comment
    Frage: related discussion: Worin äußert sich Banausentum?
    Antwort: #37

    SCNR, aber was kann Cro-Mignon dafür, dass du damals in der Schule immer dann in Deutsch gefehlt hast, als ALLES erklärt wurde... und jetzt partout nichts mehr dazu lernen möchtest?

    Ich finde 36 prima erklärt.
    #38Author Spinatwachtel (341764) 14 Dec 11, 11:19
    Comment
    was kann Cro-Mignon dafür, dass du damals

    Das geht aber langsam etwas gehässig zu ...
    #39AuthorPhillipp14 Dec 11, 11:27
    Comment
    Was kann ich dafür, wenn unsere Lehrer es geschafft haben, alles, aber auch wirklich alles zum Einschlafen langweilig zu gestalten?

    Ich muß mich da halt ein wenig reinfummeln ...
    #40Author B.L.Z. Bubb (601295) 14 Dec 11, 11:28
    Comment
    Ich versuch's mal:

    Versfuß: kleinste Einheit in der Abfolge von betonten und unbetonten Silben in einem Vers
    Trochäus: zweisilbiger Versfuß;, zuerst eine betonte, dann eine unbetonte Silbe. Beispiel: every ('x x)
    Jambus: zweisilbiger Versfuß; zuerst eine unbetonte, dann eine betonte Silbe. Beispiel: sublime (x 'x)
    Hebung: betonte Silbe
    Senkung: unbetonte Silbe
    männlicher Vers: mit einer betonten Silbe endend
    weiblicher Vers: mit einer unbetonten Silbe endend
    'x: eine betonte Silbe
    x: eine unbetonte Silbe


    Noch einfacher gesagt:
    Da DAM da DAM da DAM da DAM: jambischer Vierheber, männlich
    DAM da DAM da DAM da DAM da: trochäischer Vierheber, weiblich
    ;-)
    #41Author Cro-Mignon (751134) 14 Dec 11, 11:30
    Comment
    Das geht aber langsam etwas gehässig zu ...sagt der Author von #34...

    sollte schon ein bisschen pampig rüberkommen, aber keinesfalls gehässig. Nachdem sich Cro-Mignon so viel Zeit genommen hat, zu erklären, warum Oh nicht gut passt, war die Antwort von BLZ doch ziemlich lieblos, oder?
    #42Author Spinatwachtel (341764) 14 Dec 11, 11:30
    Comment
    OK, war nicht so gemeint; im Gegenteil. 'tschuldigung. Spinatwachtel hat natürlich recht. Danke, Cro-Mignon!
    #43Author B.L.Z. Bubb (601295) 14 Dec 11, 11:32
    Comment
    Naja, ehrlich gesagt, wünschte ich mir auch, dass C-M sich etwas kürzer gefasst hätte, egal wie richtg das alles war. Hoppla, da ist's dann (#41). ;-)
    #44AuthorPhillipp14 Dec 11, 11:33
    Comment
    My five cents:

    Und ich wandre aus den Mauern
    Bis hinaus ins freie Feld,
    Hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
    Wie so weit und still die Welt!

    And I leave the hamlet yonder
    Out into the countryside,
    Lofty splendour, sacred wonder!
    How this world is mute and wide!
    #45Author Restitutus (765254) 14 Dec 11, 11:43
    Comment
    @Spinatwachtel: Danke für die netten Worte!

    @Bubb: Kein Problem! Ich mag Deine lakonisch-launigen Entgegnungen gern :-)

    @Phillipp: Ja, ich hab eine fatale Neigung zu Logorrhö (und zu unnötigem Fremdwortgebrauch), aber ich arbeite dran ;-)

    Nachgereichte Selbstkorrektur zu #36: bewusst, nicht bewußt.
    #46Author Cro-Mignon (751134) 14 Dec 11, 11:44
    Comment
    *angstschweißabwischpulswiederrunterfahr* ;-)
    #47Author B.L.Z. Bubb (601295) 14 Dec 11, 11:45
    Comment
    *group hug*
    #48Author Spinatwachtel (341764) 14 Dec 11, 11:48
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    *feelsallwarmandfluffyinside*

    Christmas time!
    #49Author B.L.Z. Bubb (601295) 14 Dec 11, 11:50
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    @Cro-Mignon: ich arbeite dran

    Hals und Beinbruch! ;-)

    *heimtückischüberdiewiederaufnahmederrutschpartiefreuhändereib*

    *edit*

    Hugs natürlich!
    #50AuthorPhillipp14 Dec 11, 11:51
    Comment
    Hallo,
    bin auch wieder bei der Gedichteschmiederei.

    @ alle: Danke für eure fleißige Mithilfe

    @ Restitutus

    Deine Übersetzung ist bestimmt nicht schlecht, kommt aber nicht in Frage, da sie dem Reimschema der anderen Strophen (ABCB) nicht folgt. Und das ganze Gedicht noch einmal auf den Kopf stellen, möchte ich nun wirklich nicht.

    @ Cro-Mignon

    Was den Rhythmus betrifft, muss ich mir das ganze noch einmal genauer anschauen.
    "Sublime resplendence" wird entfernt (@ Phillipp: definitiv) und durch ein "Heavenly slendour/lustre" ersetzt, womit wieder ein Trochäus erreicht wird.

    Sorry Tippfehler: splendour

    Im folgenden Vers denke ich darüber nach nach Wort "is" wegzulassen und es so wie im deutschen Gedicht zu handhaben, in dem ja in diesem Vers ebenfalls kein Prädikat steht. Ich denke, dass es auch vom Rhythmus besser passt. Ist das machbar?
    #51AuthorEllen_4 (771764) 14 Dec 11, 12:11
    Comment
    Dafür entspricht mein Reimschema aber dem des Originals. :-P
    #52Author Restitutus (765254) 14 Dec 11, 12:14
    Comment
    @ Cro-Mignon #36: you correctly say that the poem under discussion is trochaic (and it has 4 beats in a line). So why do you complicate matters by giving us the scansion of a different poem (In einem kühlen Grunde) that is iambic and has 3 beats in a line??

    Yes, 'Markt und Straßen ...' follows the 'trochäischer Vierheber' pattern you give at the end of your #41.

    This is what I was referring to in the latter part of my #27. The version I favoured there lacks the expected unstressed syllable at the end of line 3 but has an unstressed syllable at the beginning of line 4, so the alternation of stressed and unstressed is preserved. And you don't want any more syllables, ('Oh' or whatever, at the beginning of line 4.)

    I don't mind at all what version you all go for, this is just to explain what I meant in case it wasn't clear.
    #53AuthorHecuba - UK (250280) 14 Dec 11, 12:17
    Comment
    Sublime resplendence" wird entfernt (@ Phillipp: definitiv)

    Oben, ganz weit entfernt, ein paar Kilometer hinter der Sonne wird Eichendorff nur dankbar sein. ;-)
    #54AuthorPhillipp14 Dec 11, 12:21
    Comment
    @Hecuba: So why do you complicate matters by giving us the scansion of a different poem (In einem kühlen Grunde) that is iambic and has 3 beats in a line??

    1. Ich kann kein trochäisches Eichendorff-Gedicht auswendig und hatte keine Zeit und Lust zum Nachschlagen.
    2. Ich wollte zeigen, dass Eichendorff nicht nur im vorliegenden Gedicht, sondern auch sonst regelmäßig gebaute Lyrik bevorzugt.
    3. Zur Illustration von trochäischen Versen hatten wir schon das diskutierte Gedicht. In einem kühlen Grunde sollte ein jambisches vorführen.
    4. Ich mag's gern kompliziert ;-)

    Sollte ich jemanden damit verwirrt haben, täte mir das leid. Es würde mich aber wundern.

    Autsch, das war wieder zu wortreich. Muss dringend noch weiter an meiner Wortsucht arbeiten, Phillipp ...
    #55Author Cro-Mignon (751134) 14 Dec 11, 12:38
    Comment
    Cro-Mignon, ich lese hier mit. Da sollte Dich GAR NICHTS wundern ;-)
    #56Author B.L.Z. Bubb (601295) 14 Dec 11, 12:40
    Comment
    Wie war das noch mit dem Licht und dem Scheffel? ;-)
    #57Author Cro-Mignon (751134) 14 Dec 11, 12:44
    Sources
    So, habe mich für folgende Version entschieden:
    Comment
    Streets and markets lie deserted,
    Every house is still and bright.
    Pensive through the lanes I wander
    Through this peaceful, quiet night.

    At the windows pious women
    Hang up gingerbread and toys.
    Happy children stand and marvel,
    Carol-singing girls and boys.

    And I wander through the village
    Into open countryside.
    Holy awe, heavenly lustre!
    How silent is this world, and wide!

    Lofty stars revolve in circles,
    From the snow's white, lonely face
    It climbs like angelic singing
    Time of mercy, time of grace.

    Und heut morgen haben sie in der Schule den Flur nur mit Kerzen beleuchtet und einige Kinder haben "Leise rieselt der Schnee" gesungen. Mußte mir echt die Tränen verkneifen ...
    #58Author B.L.Z. Bubb (601295) 21 Dec 11, 09:05
    Comment
    That's actually quite lovely. :-)

    My choir used to sind a beautiful choral version of this poem, I always enjoyed singing that one.
    #59Author the kat (387522) 21 Dec 11, 12:11
    Comment
    (Bubb, ein herzliches Vergelt's Gott dir fürs Entohen! ;-).)
    #60AuthorPhillipp21 Dec 11, 12:21
    Comment
    zu #58: Die Version ist sehr schön!
    Ein Änderungsvorschlag: Aus metrischen Gründen würde ich in Zeile 11 "heavenly" durch "celestial" ersetzen.
    #61Author Reinhard W. (237443) 21 Dec 11, 15:49
    Comment
    a) ist es zu spät

    b) klingt "celestial lustre" in meinen Ohren doof

    c) danke, das alles ist weiß Gott nicht auf meinem Mist gewachsen ;-)
    #62Author B.L.Z. Bubb (601295) 21 Dec 11, 15:50
    Comment
    @ B.L.Z. Bubb,

    ich weiß, du hast geschrieben, dass es zu spät ist, aber du hättest den Vers drei in der dritten Strophe vertauschen sollen.
    "Heavenly lustre, holy awe!", liest sich flüssiger.

    Aber ansonsten hast du wohl die beste Version genommen.

    @ alle

    Danke nochmals; hat Spaß gemacht, mit euch herumzutüfteln.

    Euch allen ein genau so friedliches Weihnachtsfest wie es die Stimmung dieses Gedichts wiedergibt.
    #63AuthorEllen_4 (771764) 23 Dec 11, 08:13
     
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