Im ältesten Ursprung wird in Holland, und von da ausgehend auch in Belgien, Luxemburg und Teilen von Deutschland, aber auch in Österreich und in der Schweiz und anderen Ländern und Gegenden „Sinterklaas“, also „Der Heilige Nikolaus“, gefeiert. Es ist die niederländische Bezeichnung für eine volkstümliche, an den historischen Nikolaus von Myra angelehnte Gestalt aus dem ersten Jahrhundert, dessen Sterbetag der 6. Dezember ist. Deshalb bringt er am 6. Dezember den Kindern (die artig waren) Geschenke. Alle Kinder lieben ihn. In Luxemburg nennen wir ihn "Kleeschen" (kleiner Klaus). Er trägt seine Bischofskleidung, einen roten Rauchmantel und einen Bischofsstab.
Sein Begleiter und Helfer in Holland ist traditionell der "Zwarte Piet", also der schwarze Peter. Die Bezeichnung Knecht Ruprecht geht auf Figuren aus dem Alpenvorland oder aber aus Thüringen (Schloss Ruprechtsburg bei Zella-Mehlis) zurück. In Luxemburg nennen wir ihn "Houseker" und ich habe keine Ahnung was das bedeutet. Es gibt noch viele weitere regionale Namen für ihn. Während der heilige Nikolaus als Himmelsbote agiert, steht der andere als Höllenvertreter oder „gezähmter Teufel“, der die drohende und strafende Rolle übernimmt. Er bringt den Kindern (die unartig waren) Ruten und schimpft mit Ihnen. Alle Kinder haben Angst vor ihm. In Holland, Belgien und Luxemburg hat er traditionell eine schwarze Hautfarbe und ist gewissermaßen die Personifizierung des "bösen schwarzen Mannes", den keiner mag und vor dem alle Angst haben.
Ursprünglich war er einfach nur der Helfer von Sinterklaas. Der Überlieferung nach reitet Sinterklaas auf einem Schimmel über die Dächer und kommt mit seinem Helfer Zwarte Piet durch den Schornstein in die Häuser, um den dort wohnenden Kindern Geschenke zu bringen. Am nächsten Morgen finden die Kinder Süßigkeiten oder ein kleines Geschenk im Schuh.
Ursprünglich war die Figur des "Swarte Piet" also nicht unbedingt rassistisch gemeint. Der Knecht von Nikolaus war nach der Überlieferung ein Maure, also ein Mohr, stammt aus dem Abendland und die beiden kommen zumindest in Holland traditionell zusammen vor Nikolaustag mit dem Boot aus Spanien angereist.
Es war vor allem die (katholische) Kirche mit ihrer schwarzen Pädagogik, die Kinder nicht einfach nur beschenken wollte, sondern dem Guten auch das Böse gegenüber stellte und damit drohte: "nur wenn du artig warst, bekommst du ein Geschenk, andernfalls bekommst du von Knecht Ruprecht die Rute, oder er packt dich in den Sack und nimmt dich mit!" Ich kann mich noch sehr lebhaft daran erinnern, dass ich tierisch Angst vor dem "Houseker" hatte und mein jüngerer Bruder hörte wegen ihm nie mit Weinen auf, wenn der Weihnachtsmann kam. Vor allem war ich als Kind verblüfft und verwundert darüber, wieso der Weihnachtsmann so gut alle meine Sünden und Vergehen des ganzen Jahres kannte, die er aus einem großen Buch vorlas und für jede einzelne bekam ich dann vom "Houseker", also vom Luxemburger Knecht Ruprecht, eine Rute in die Hand gedrückt.
In den meisten Ländern lehnt und legt man diese rassistische und erzieherische Komponente mittlerweile ab und hat "Knecht Ruprecht" still und leise abgeschafft. Heutzutage kommt der heilige Nikolaus in Belgien und Luxemburg meistens mit einem Paar Engeln daher und fokussiert sich mehr auf das Gute. Die Holländer tun sich jedoch sehr schwer damit, ihren "Swarte Piet" abzuschaffen und bei den Holländern tobt mittlerweile ein regelrechter Kulturkampf, der leider von rechten politischen Kreisen instrumentalisiert wird. Aus einer eher unterschwelligen rassistischen Andeutung ist also mittlerweile in Holland das Thema extrem polarisiert worden.
Die Holländer hatten auch übrigens den heiligen Nikolaus mit nach neu Amsterdam genommen (also New York). Dort wurde aus dem schlanken Bischof Nikolaus der bald überall in Nordamerika sehr polpuläre und durch Überfütterung mit Keksen und Milch fettleibige Santa Clause. Er wurde zudem auf Weihnachten verschoben und zum Nordpol abgeschoben. Zu gewichtig um von einem Schimmel noch getragen zu werden, wurde er auf einen Schlitten gesetzt und damit kam er dann über England auch zurück nach Europa, wo er mittlerweile am Weihnachtsfest sich selbst Konkurrenz mit dem Nikolaustag macht.
Wir Kinder hatten damit nie ein Problem. Am Nikolaustag bekamen wir Spielsachen geschenkt und an Weihnachten dann Kleider oder neue Schuhe oder ähnliches, wurden also auf jeden Fall zweimal beschenkt.
In den meisten südlichen und lateinamerikanischen Ländern werden die Kinder traditionell eher am Dreikönigstag, also von den Heiligen Drei Königen beschenkt.