#9: Angliszisskepsis ist eine ehrenwerte Sache. Anglizismusphobie jedoch kann sich leicht zur schmerzhaften Hypochondrie entwickeln. Nicht jede alltagssprachliche Paraphrase einer Redewendung ist gleich ein Anglizismus. Auch wenn die Redewendung zur Beschreibung des Sachverhalts im konkreten Fall als idiomatisch gelten kann, ist es doch ebenso idiomatisch zu sagen "Das Ziel
rechtfertigt die Mittel". Nicht nur weist der
Online-Duden mit der Bedeutung
"als gerechtfertigt und moralisch unantastbar erscheinen lassen, hinstellen" für das Verb
heiligen in diese Richtung, es lassen sich auch leicht Gebrauchsbeispiele fürs Rechtfertigen finden. Dazu zählen auch Autoren und Sprecher, die eines übersteigerten Angliszismusgebrauchs durchaus unverdächtig sind – wie der veritable Generalstaatsanwalt a.D. Dr. Schaefer, der in der Evangelischen Akademie zu Arnoldshain im Jahre 2003 ein
Referat mit dem Titel
"Darf der Zweck das Mittel rechtfertigen?" hielt. Übrigens ist auch die Schreibweise seines Namens keine anglizistische Missachtung des teutschen Umlautes ä, sondern eine historische gewachsene Variante des Familiennamens Schaffer. Auch ein
deutscher Erzbischof entblödet sich nicht zu sagen
"Wir sind sehr für die Ethik des Heilens, aber es ist so: Der gute Zweck rechtfertigt nicht jedes Mittel." Letzterer freilich hat als Sohn donauschwäbischer Eltern einen ausgeprägten Migrationshintergrund; vielleicht sollten wir ihm lieber nicht trauen?