Nun sieht man auch in Berlin diese Taschen überall da, wo Leute mit (sagen wir: nicht-rheinischem) Migrationshintergrund wohnen. Die Taschen werden natürlich nicht in Paris gekauft – weder bei Louis Vuitton noch bei Tati –, sondern „beim Polen“ oder „beim Türken“ um die Ecke und heißen folgerichtig „Polentasche“ oder „Türkenkoffer“:
"wo kann ich einen '
Türkenkoffer' kaufen
Von: b r ο t h е r - t , Frage gestellt am Di, 8. Jul 2008
Hallo,
ich suche eine Möglichkeit einen "
Türkenkoffer" zu kaufen.
Ich meine das nicht abwertend, leider kenne ich nicht die korrekte Bezeichnung.
Was ich suche sind dies Art von Plastiktaschen mit Reissverschluss, die manche Leute auf dem Flughafen bei sich haben. Meist sind sie karriert.
Ich wohne im Raum Wiesbaden. Wenn also jemand weiss
1) wo man soetwas kaufen kann
oder
2) wie die richtige Bezeichnung ist
Danke ich schonmal im voraus.
Gruß
brother-t
PS: ich finde die Taschen ideal zum verreisen, wenn die Frau dabei ist. Man(n) kann sie leer mitnehmen, die Frau kauft im Urlaubsland ein, dann hat der Mann eine Chance die Einkäufe zu verpacken ....
(Antwort:)
Sach- und Problemlage erkannt.
Du bekommst diese grossen Taschen (sie sind aus beschichtetem Gewebe und nicht aus Plastik - dieses würde reissen) mit Reissverschluss beim Türken, soll heissen bei diesen türkischen Gemischtwarenhändlern (Geschäfte). Das ist kein Witz.
(noch eine Antwort:)
es gibt doch meistens in Bahnhofsnähe so Mischmasch-Läden wo man Handy-Oberschalen, Billigporzellan, Batterien, Billig-Elektrogeräte und sowas kaufen kann. Das nennt sich manchmal "Import-Export"-Geschäft. Da würde ich suchen.
Ich habe hier so eine Tasche in einem afrikanischen Laden gefunden. Sind wirklich praktisch, die Dinger. Und billig."
http://www.wer-weiss-was.de/theme101/article4...http://www.patin-a.de/shop/USER_ARTIKEL_HANDL...Hier ein paar Bilder für
Polentaschen:
http://www.google.de/search?q=polentaschen&hl...„Die
PolentascheDiese Tasche ist überall. Aus unkaputtbarem Plastik gefertigt und mit signifikantem Karo-Muster bedruckt, findet sich die ”
Polentasche“, wie sie in Deutschland gerne politisch leicht unkorrekt genannt wird, als tragbarer Wäschekorb in der Studenten-WG, als Logistik-Device halblegaler Kleinstökonomien auf den Floh- und Schwarzmärkten dieser Welt und als Billigkoffer der Migration an den Grenzübergängen zwischen der ersten Welt und dem Rest.
Im Frühjahr 2007 hat Marc Jacobs, Chefdesigner beim Taschen-Primus Louis Vuitton, eine Deluxe-Variante der globalen
Prekariatstasche herausgebracht – im Kofferformat, mit stilechtem Karo, aus feinstem Leder und mit aufgedrucktem LV-Logo in Passstempel-Manier. Das macht Sinn, denn auf Vuitton-Taschen kann man sich überall einigen. Auf der Upper East Side genauso wie auf dem Pekinger Vorstadt-Flohmarkt."
http://de-bug.de/mode/archives/1330.htmlSelbstverständlich gibt es auch in Deutschland ein paar Kreative, die aus dieser Tasche Mode machen:
„Mode für GrenzgängerInnen orientiert sich einerseits konkret am Thema'Reisende/Flüchtende' und verarbeitet deren klischeehaft typischen Muster und Materialien, wie zb die der karierten '
POLENTASCHEN'.
Andererseits spielt Mode für GrenzgangerInnen mit der geschmacklich begrenzten Vorstellung von Anziehbaren. So bedruckt Goodluck-Drucklook Stoffe und Kleider mit '
Polentaschenkaro' und imitiert es, spielt damit, und so entstehen zb. Herrenrippstrickunterhosen mit Badeoberteilen zu absurden Strandanzügen, oder schneidert aus den Stoffen Kleider, die die Grenze des Tragbaren austesten.
MILCH vervielfältigt die bereits allgegenwärtigen
Polentaschen ins fast unerträglich grenzenlose und produziert daraus Hüte, Rucksäcke, Gürteln und sonstige Mode. Derart gekleidete Reisende können so inmitten ihrer Taschen tadellos getarnt jede grenze "uberschreiten. Das Thema der Tarnung setzt MILCH dann auch in besprayten Gras-Kleidern fort."
http://gegenalltag.at/2_3_archiv.htmlVom "
Türkenkoffer" zur Tüte de luxe
Wenn sich Berliner Schneiderinnen, Designerinnen und Modemacherinnen zusammensetzen, die in den verschiedensten Ländern groß geworden sind, dann darf man modische Vielfalt erwarten. …
Ein Produkt in verschiedenen Formen und Farben hat bereits viele Abnehmer gefunden: die Tüte de luxe. Sie ist aus dem Material der Taschen gefertigt, die im Volksmund als
Türkenkoffer oder auch als
Polentasche bekannt sind. Das Material, die Geschichte der Tasche und das innovative Design sollen eine neue Identität schaffen. Im Saalbau Neukölln ist die "Tüte de luxe" in den Ausführungen "Belgrad", "Paris", "Caracas", "Istanbul" und "Berlin" zu haben, etliche Exemplare sind bereits verkauft worden. Die Preise liegen zwischen 20 und 35 Euro.
http://www.morgenpost.de/printarchiv/bezirke/...Hier heißen sie umgekehrt "Türkentaschen" und "Polenkoffer":
"Man nennt sie „
Türkentaschen“ oder „
Polenkoffer“, es gibt sie verschiedenfarbig, kariert und in unterschiedlichen Größen für Umzug, Einkauf oder andere logistische Zwecke. Sie sind reißfest, winddicht, wasserabweisend und für ein, zwei Euro fast überall zu kriegen. Jeder kennt die praktischen, namenlosen Plastiktaschen, die trotz all ihrer positiven Eigenschaften mit einem rassistischen Stigma behaftet sind. Dem Berliner Künstler Manfred Kirschner ist das besonders im emigrantenreichen Kreuzberg aufgefallen. „
Türkentasche“ oder „
Polenkoffer“ – der Name ist eng mit seinen hauptsächlichen Benutzern verbunden. Also haben Manfred Kirschner und Jens Engel die negativ besetzten Beutel aus ihrem Zusammenhang gelöst, zwei Maßanzüge aus dem Material geschneidert und in die Welt der Couture überführt. Das Modevideo mit dem Titel „Integration#1“ wird bei „folk-artNOW!“ gezeigt.
http://www.folk-artnow.de/folkartnow_1/manfre...Ganz interessant auch dieses Projekt (auch wenn "sac maghrébien" in jeder Hinsicht schlecht recherchiert ist):
„Das Stück „The Fiddler on the Roof“ wurde unter Einbeziehung der persönlichen Migrationsgeschichten der beteiligten Schauspieler neu inszeniert. Dafür entwickelte raumtaktik ein flexibles, mobiles Bühnenbild mit einer Stadt aus „Häusern“, die aus den bekannten chinesischen Plastiktragetaschen entwickelt wurden.
Diese Taschen sind weltweit verbreitet und in den meisten Ländern mit den jeweils ärmsten Einwanderern assoziiert: in Deutschland werden sie „
Polentasche“ genannt, in Polen den Ukrainern zugeordnet. In Frankreich heißen sie „sac maghrebian“, in Hongkong „Philippino-Bags“. Als Häuser einer imaginären Einwanderungsstadt stehen sie bei matchmaker matchmaker für Identität, Zuhause, Mobilität, Migration und Armut gleichermaßen.“
http://www.raumtaktik.de/projekte/matchmakerm...http://www.google.de/search?hl=de&sugexp=frgb...In Fernost sind diese Taschen übrigens nicht kariert, sondern blau-weiß-rot gestreift:
http://www.julianeheise.de/docs/stripes.html