Für mein Empfinden ist die Aussage, "die Oberhand haben/gewinnen" impliziere einen nur vorübergehenden, instabilen Sieg, nur einen Teilerfolg in einer längeren Auseinandersetzung (s. ## 9-11), pure Spekulation. Ob der so bezeichnete Erfolg vorübergehend oder von Dauer ist, ob er nur eine Phase in einem längeren Prozess oder einen endgültigen Sieg beschreibt, hängt ausschließlich vom Kontext ab. Ich verweise auf die vom MiMo (in #6) zitierten Belegsätze aus dem DWDS:
Seit dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein haben die Schiiten die Oberhand.In kürzester Zeit hätten ihre Töchter die Oberhand und würden alle Nahrungsressourcen für sich beanspruchen.Denkbar ist auch ein Satz wie:
Nach Jahrzehnte währenden Kämpfen mit wechselnden Erfolgen gewann endlich in der Schlacht von X das Haus Y die Oberhand und bestimmte von da an bis heute die Geschicke des Landes.Auch Verben und Wendungen wie
siegen,
gewinnen oder
den Sieg davontragen [sic!] sagen nichts darüber aus, ob der errungene Erfolg von Dauer ist.
Es sei auch auf die Bedeutungsangaben im Duden-Universalwörterbuch und im DWDS verwiesen; darin findet sich kein Hinweis auf die instabile oder vorübergehende Natur des bezeichneten Erfolgs:
"
Oberhand, die [...] in den Wendungen
die O. gewinnen/bekommen/erhalten (
sich als stärker erweisen, sich gegen etw. jmdn. durchsetzen)." (Duden-Universalwörterbuch)
"Überlegenheit" (DWDS)
http://www.dwds.de/?qu=OberhandAllenfalls lässt sich das Element des wechselnden Erfolges in der Phase
vor dem Gewinnen der Oberhand erkennen.