Also ich find es peinlich, dass jetzt Whistleblower als offizielle deutsche Übersetzung in LEO steht.
Hab die ganze Diskussion oben gelesen und obwohl mir Giogios Vorschlag (Missstandsaufdecker) auch nicht zusagt, kann ich seiner Argumentation folgen. Wenn ich z.B. meinem Vater von Whistleblowern erzähle, bekomme ich 100%ig nur einen blanken Blick zurück.
Mir ist vollkommen klar, dass sich eine Sprache weiter entwickeln muss, dass für neue Erfindungen oder Konzepte neue Begriffe gebraucht werden, siehe #42. Mir würde nie einfallen, z.B. "Software" zu kritisieren.
Aber das Konzept des "Whistleblower" kann doch nicht neu sein? Man hat doch sicher auch in D schon vor 100, 50 oder 10 Jahren Missstände in den eigenen Reihen aufgedeckt! Die Leute haben sich doch damals auch ohne "Whistleblower" verständlich ausdrücken können, oder? Warum muss man jetzt plötzlich einen englischen Begriff dafür importieren?
"Missstandsaufdecker" wird sich kaum durchsetzen, auch wenn es den Sinn recht treffend beschreibt. Wie andere schon bemerkt haben, klingt es einfach zu unbeholfen. Aber muß man denn unbedingt EIN Wort finden? Da sind wir wieder bei der Frage, wie die Leute das früher ausgedrückt haben. Höchstwahrscheinlich mit mehr als einem Wort.
Ganz oben (#1) steht die Kritik LEO sei kein Lexikon, sondern ein Wörterbuch. Wenn es aber nunmal kein genau passendes deutsches Wort gibt? Da ist doch bei vielen Ausdrücken im übertragenem Sinn so. Wollen wir jedesmal einfach das Fremdwort 1:1 übernehmen? LEO hat auch ein Chinesisches Wörterbuch und im Chinesischen gibt es jede Menge Ausdrücke, die im Deutschen einen ganzen Absatz bräuchten, um den vollen Sinn zu erfassen. Wenn ich das übersetzen möchte, was mach ich da? Den Deutschen Chinesisch beibringen?? Wäre es wirklich so schlimm, auch Whistleblower mit einer kurzen Wortgruppe zu übersetzen?
Ich hab das sinngemäß gerade jemandem für "förderpolitisch" erklärt:
related discussion: förderpolitischUm nochmal auf meinen Vater zurückzukommen, der gerade Englisch lernt und tatsächlich öfters LEO benutzt. Wenn er jetzt Whistleblower nachschlägt, und als "Übersetzung" Whistleblower zurückbekommt, ist ihm absolut nicht geholfen. Ich plädiere dafür, dass man den Begriff kurz umschreibt, "Aufdecker von Missständen in den eigenen Reihen" oder sowas. Dass man diese Wortgruppe im Einzelfall auch nicht 1:1 als "Übersetzung" anwendet, dürfte jedem klar sein. Aber zumindest weiss dann jeder, was gemeint ist.