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    Language lab

    "Trotzdem dass ich ...." ist das korrektes Deutsch?

    Topic

    "Trotzdem dass ich ...." ist das korrektes Deutsch?

    Comment
    Ich bin glücklich, trotzdem, dass ich nicht viel Geld habe.


    Kann man "trotzdem" wirklich so verwenden? Ich würde schreiben "obwohl ich..."


    Hilfe!

    Danke!
    AuthorAnnaUK (806456) 04 Jul 14, 12:49
    Comment
    "Obwohl" passt hier perfekt. Mit trotzdem klingt der Satz sehr unnatürlich. Trotzdem wird normaler Weise verwendet, wenn der Hinderungsgrund vorher genannt wird.
    #1Author Captain Albern (744380) 04 Jul 14, 13:01
    Comment
    Wirklich nicht korrekt. Nicht nur unschön, sondern falsch.
    Deine Variante ist korrekt.
    #2Author Reinhard W. (237443) 04 Jul 14, 13:01
    Comment
    Das "dass" kommt mir überflüssig vor. So klingt es ein wenig besser:

    Ich bin glücklich, trotzdem ich nicht viel Geld habe.
    Obwohl ich nicht so viel Geld habe, bin ich trotzdem glücklich.
    Obwohl ich nicht so viel Geld habe bin ich glücklich.
    #3Author Puppengesicht (807439) 04 Jul 14, 13:03
    Comment
    "Ich bin glücklich, trotzdem ich nicht viel Geld habe."

    "Trotzdem" in dieser Konstruktion ist auch nicht richtig.

    --> Obwohl ich nicht viel Geld habe. Das ist richtig.
    #4Author Serendipity_4 (677936) 04 Jul 14, 13:05
    Comment
    Für halte auch

    Ich bin glücklich, trotzdem ich nicht viel Geld habe
    .

    für falsch. 'Trotzdem' bezieht sich auf einen vorher genannten Sachverhalt:

    Ich habe nicht viel Geld. Trotzdem bin ich glücklich
    .
    #5Author Gibson (418762) 04 Jul 14, 13:07
    Comment
    Was heißt nicht richtig? In einem Gespräch kann man das so sagen. Der Sachverhalt muss nicht vorher genannt werden.

    Nur das "dass", das passte nicht.
    #6Author Puppengesicht (807439) 04 Jul 14, 13:13
    Comment
    Nein, Puppengesicht, der erste deiner drei Sätze geht wirklich nicht.
    #7AuthorEifelblume (341002) 04 Jul 14, 13:17
    Comment
    In einem Gespräch kann man das so sagen.

    Klar kann man das. Falsch ist es trotzdem.

    #8Author Gibson (418762) 04 Jul 14, 13:17
    Comment
    Die Ersetzung des korrekten "obwohl" durch das falsche "trotzdem" hat sich aus irgendwelchen Gründen vor ein ppar Jahrzehnten eingeschlichen.

    Grammatikalisch ist die Konstruktion jedoch falsch, egal ob geschrieben oder gesprochen. Aber menschliche Sprache enthält eben ein hohes Maß and Redundanz...
    #9Author Serendipity_4 (677936) 04 Jul 14, 13:20
    Comment
    Warum denn nicht? Im Duden steht das auch so, das habe ich eben nachgeschaut. Dort steht es als umgangssprachlich, genau wie ich sagte:

    er kam, trotzdem (standardsprachlich: obwohl) er krank war
    http://www.duden.de/rechtschreibung/trotzdem_...

    Wenn Anna so redet, wird ihr keiner einen Vorwurf machen dürfen.
    #10Author Puppengesicht (807439) 04 Jul 14, 13:20
    Comment
    Der Duden Band 9 widerspricht hier meinem Gefühl und den meisten Wortmeldungen hier, bestätigt aber immerhin, dass das "dass" heutzutage falsch ist. Zitat:
    "Im heutigen Sprachgebrauch wird trotzdem sowohl als [satzeinleitendes] Adverb als auch als unterordnende Konjunktion verwendet. [...] Die Verwendung von trotzdem als unterordnende Konjunktion ist bereits im 19. Jh. aufgekommen. Die eigentliche Konjunktion dass ist weggefallen.[...]
    Zunächst: ...und trotz dem, dass ich gehen wollte, horchte ich doch wieder auf seine Worte hin (Stifter)
    Dann: Trotzdem dass man nicht weiß, ob man sich ärgern, lachen oder weinen soll (Raabe)
    Schließlich: Und trotzdem ich mich auf alle mögliche Weise anstrengte, ernst zu sein, kam das Lachen stoßweise immer wieder (Rilke)
    Obwohl also trotzdem auch in der Literatur häufig als unterordnende Konjunktion verwendet wird, gilt dieser Gebrauch doch weithin als umgangssprachlich."
    #11Author Mattes (236368) 04 Jul 14, 13:25
    Comment
    Das "dass" muss auf jeden Fall raus.

    Ansonsten würde ich die Verwendung von "trotzdem" anstelle von "obwohl" nicht als komplett falsch, aber als stark veraltet bezeichnen.
    In Schriftstücken, die so um die 70 - 100 Jahre alt sind, findet man es in dieser Verwendung noch, und ich habe es auch schon von Nachfahren ehemals deutscher Auswanderer gehört, deren DEutsch auf einer etwas "älteren" Stufe stehengeblieben war.
    #12AuthorGaleazzo (259943) 04 Jul 14, 13:28
    Comment
    "Trotz dem, dass ..."
    Ich meine, ich höre das auch oft am Satzanfang, auch von TV-Journalisten z.B.
    Kann nicht ganz falsch sein, aber für den kurzen Satz im OP passt es nicht recht.
    #13Author wundertype.de (243076) 04 Jul 14, 13:28
    Comment
    "Trotzdem dass" - hört man leider oft, ist aber falsch und spricht, Entschuldigung, nicht für den Bildungsstand des Sprechers (bei Muttersprachlern).
    Grund für die falsche Verwendung ist meiner Meinung nach, dass der Gebrauch und die Bedeutung des Wortes "trotz" alleine verloren gehen, zusammen mit dem Genitiv, den es eigentlich verlangt.
    Den Übergang zum Dativ kann man als Sprachwandel sehen, aber merkwürdigerweise kommt davon offenbar kein neuer Gebrauch von "trotz dem" in zwei Wörtern.
    #14Author tigger (236106) 04 Jul 14, 13:30
    Comment
    wundertype, Journalisten sind heutzutage kein Garant für gute oder gar korrekte Sprache. Ich bin zu jung dafür, aber das ist wie mit den Setzern früher, die perfekt rechtschreiben konnten - kann man von heutigen Grafikern nicht immer behaupten.
    #15Author tigger (236106) 04 Jul 14, 13:33
    Comment
    Den Übergang zum Dativ kann man als Sprachwandel sehen,

    Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Laut Duden 9 (2007) ist der Dativ nach trotz älter "und mittlerweile seltener als der Genitiv". "Dass der Dativ die ältere Rektion darstellt, zeigen noch die festen Fügungen trotz allem und trotz alledem sowie das Adverb trotzdem."
    #16Author Mattes (236368) 04 Jul 14, 13:36
    Comment
    Ja richtig, Mattes, jetzt wo du's sagst... das haben wir doch bestimmt schon einmal diskutiert. Und es wäre auch nicht ungewöhnlich, dass wir konservativen-konservierenden Dialektsprecher im Süden den alten Dativ eher behalten haben.

    Wie dem auch sei, "trotzdem dass" (oder noch schöner, "trotz das") ist falsch. Man könnte eine Konstruktion mit "trotz dem, dass..." basteln, wobei "dass..." ein Dativobjekt ist, aber stilistisch wertvoll wird der Satz davon meiner Meinung nach nicht.
    #17Author tigger (236106) 05 Jul 14, 20:48
    Comment
    @#10: Im Duden steht auch der umgangssprachliche Gebrauch von wie + Komparativ, aber auch diese Verwendung würde ich niemandem empfehlen.

    Zu 'trotz' gibt's hier was:
    related discussion: dessen bewusst - #6
    #18Author Gibson (418762) 05 Jul 14, 21:46
    Comment
    #17: wobei "dass..." ein Dativobjekt ist

    Diese Erklärung ist total daneben!
    #19Author Reinhard W. (237443) 05 Jul 14, 22:00
    Comment
    Ach was hab ich denn da geschrieben. Vergesst bitte den 2. Absatz von Nr. 17.
    #20Author tigger (236106) 05 Jul 14, 22:30
    Comment
    @#18: Der Gebrauch von wie + Komparativ wird im Duden Band 9 ganz klar als umgangssprachlich und als + Komparativ als standardsprachlich bezeichnet, während er zum Gebrauch von trotzdem entsprechend obwohl eben schreibt: "Obwohl also trotzdem auch in der Literatur häufig als unterordnende Konjunktion verwendet wird, gilt dieser Gebrauch doch weithin als umgangssprachlich."
    #21Author Mattes (236368) 07 Jul 14, 10:40
    Comment
    wie #11 Mattes. "Trotzdem" (ohne "dass") ginge, ist aber nach meinem Empfinden hochgestochen. Weitere Beispiele:

    (...) es lag viel mehr an mir selbst, der ich nie die Kunst verstanden, mich an einer Skat- oder Kegelpartie zu beteiligen, trotzdem ich immer eine herzliche Vorliebe für natürliche Menschen gehabt (...). (Theodor Fontane, Autobiographisches)

    Ich trat vor meine Ahnen hin,
    Trotzdem ich längst volljährig bin.

    (Max Dauthendey, Doch dann an einem Wintertag)

    Man beachte auch das einleitende "nun" hier:

    Nun die ersten Lerchen stiegen
    und der Himmel freundlich lacht
    Hab auch ich zu neuem Fliegen
    wanderfroh mich aufgemacht.

    (v. Scheffel)
    #22Author Gart (646339) 07 Jul 14, 11:39
    Comment
    Ich verstehe den Unzerschied zwischen "klar als umgangssprachlich" und "gilt als umgangssprachlich" nicht.
    #23Author Gibson (418762) 07 Jul 14, 11:43
    Comment
    #17: " Man könnte eine Konstruktion mit "trotz dem, dass..." basteln, wobei "dass..." ein Dativobjekt ist, ..."

    #19: "Diese Erklärung ist total daneben!"

    Gar nicht so total. Etwas schief ausgedrückt, aber vielleicht war ja folgendes gemeint:

    In "ich komme trotz des schlechten Wetters" (" ... trotz dem schlechten Wetter"; Dativ bis 18. Jh üblich, heute noch akzeptabel) ist trotz eine Präposition. Eine Präposition kann vor einem (konjugierten) Substantiv stehen, aber auch vor einem Pronomen. "Der Bestandteil "des schlechten Wetters/dem schlechten Wetter" ist eine Präpositionalphrase (der Kasus hängt von der Präposition ab, also ist das Ganze hier ein Adverbial, das aber nicht immer mit den üblichen Hilfsmitteln von einem Präpositionalobjekt abgrenzbar ist).

    "Ich komme trotz dem Sachverhalt, dass schlechtes Wetter ist" -- trotz bleibt Präposition, dem ist Artikel.

    "Ich komme trotz dem, dass schlechtes Wetter ist" (das ist jetzt der besprochene Fall!) -- dem ist Demonstrativpronomen mit vorausweisender Funktion oder, je nach Auslegung, Personalpronomen für den gesamten Sachverhalt, der im Nebensatz ausgedrückt ist. Der "dass"-Satz ist Teil der Präpositionalphrase, die von "trotz" abhängt.

    Vgl. "Das kommt von deinem Hochmut" --> "Das kommt davon, dass du hochmütig bist." (Hier haben wir ein echtes Präpositionalobjekt, an dessen Stelle ein Nebensatz tritt.)

    Vgl. "ich meine das, was ich eben gesagt habe" ("das" mitsamt dem davon abhängigen Nebensatz nimmt die Objektstelle ein); "ich meine, was ich eben gesagt habe" (der Nebensatz hat die Objektfunktion ohne vorausdeutendes Pronomen).

    Also gar kein so schlechter Griff in einen der heißeren Grammatiktöpfe.

    ---

    Trotzdem ist ein Adverb: "Ich komme trotzdem." Es hat rückweisende Funktion, wie hier schon gesagt wurde (es muss sich auf etwas beziehen, das bereits gesagt wurde). Es ist Teil des Hauptsatzes.

    "Ich komme, trotzdem ich erkältet bin" -- hier ist trotzdem eine unterordnende Konjunktion im Sinne von "obwohl". Sie ist umgangssprachlich/regional und gilt seit der Dudengrammatik von 1959 als grammatisch akzepütabel (laut Pauls deutschem Wörterbuch, das historisch vorgeht). Als Konjunktion ist trotzdem Teil des Nebensatzes (wie auch das Komma zeigt).

    In der Wendung *"Ich komme, trotzdem dass ich erkältet bin" treffen zwei Konjunktionen aufeinander, was eigentlich ein zweites Komma erfordern würde, wenn es denn möglich wäre.

    Diese Wendung ist historisch wie auch grammatikalisch falsch.
    #24Author sebastianW (382026) 07 Jul 14, 22:52
    Comment
    Interesting topic. I first encountered the use of trotzdem used in place of obwohl many years ago in Kafka's Die Verwandlung:

    ...; er ist so hartnäckig; und bestimmt ist ihm nicht wohl, trotzdem er es am Morgen geleugnet hat.
    #25Author patman2 (527865) 08 Jul 14, 05:34
    Comment
    Genau, sebastianW. Aber ich sollte das dann selber so schön erklären können und keinen Unsinn posten. :-) Danke!
    #26Author tigger (236106) 08 Jul 14, 07:33
    Comment
    #24: Sehr gute und ausführliche Erklärung!

    Zur Verwendung von "dass": Evtl. regional? In Teilen Süddeutschlands sagt man z.B. auch: "Er weiß nicht, wie gut, dass er ist." u.ä. (ich kenne das aus Franken und meine auch, Klinsi mit so etwas im Ohr zu haben, also Schwaben). Hierbei ist das "dass" absolut überflüssig, und im Rest Deutschlands würde man es m.E. so auch nicht verwenden. Meine These daher: "trotzdem, dass" wenn überhaupt, dann in Süddeutschland vorkommend?
    #27AuthorAlf T (1003205) 08 Jul 14, 08:35
    Comment
    Meine These daher: "trotzdem, dass" wenn überhaupt, dann in Süddeutschland vorkommend?
    Möglich, ich (bekennender Schwabe im frankfurter Exil) kenne die Wendung.
    #28Author wor (335727) 08 Jul 14, 08:57
    Comment
    #14: "Trotzdem dass" - hört man leider oft, ist aber falsch und spricht, Entschuldigung, nicht für den Bildungsstand des Sprechers (bei Muttersprachlern).

    Was müssen wir dann vom Bildungsstand dieser Herren denken?

    "Ist etwa der Glaube an jenen außerweltlichen Donnergott, den Moses aussprach, zur fixen Idee eines ganzen Volks geworden, das, trotzdem daß man es seit zwei Jahrtausenden in die Zwangsjacke steckte und ihm die Douche gab, dennoch nicht davon ablassen will?"
    (Heinrich Heine: Jessica)

    "Das Vorurteil bleibt, trotzdem daß es von allgemeinen Grundsätzen überflügelt ist."
    (Karl Marx: Zur Judenfrage)

    "Ihr Herren, fragt mich nur nicht weiter; ihr werdet ja bald selber sehen, wie es mit uns steht, trotzdem daß die Bäume in unserm Garten zum zweiten Male blühen."
    (Wilhelm Raabe: Pfisters Mühle)

    "... und trotzdem, daß die Stadt geplündert war, trotzdem, daß zwei Armeen in derselben fouragirt hatten, gelang es ihm, eine nicht unbedeutende Kollekte von den verlangten Gegenständen zusammenzubringen ..."
    (Arthur Schopenhauer, Briefe)
    #29Author Cuauhtlehuanitzin (1009442) 08 Jul 14, 09:49
    Comment
    Nichts, was den heutigen Sprachgebrauch betrifft.
    (Arthur Schopenhauer: 1788-1860)
    (Heinrich Heine: 1797-1856)
    (Karl Marx: 1818-1883)
    (Wilhelm Raabe: 1831-1910)

    #30Author tigger (236106) 08 Jul 14, 10:35
    Comment
    Das steht im Wörterbuch der Grimms:

    trotzdem, adv. , noch recht jung.
    1) rückweisend auf etwas voraufgehendes, dem das nachfolgende entgegensteht: es ist mir trotzdem sehr leicht geworden fürst Pückler briefw. 1, 385; (...)
    2) hinweisend auf einen nachfolgenden conjunctionalsatz und damit sich einer conjunction nähernd: trotz dem dasz der Christus so tiefschneidendes wehthum daraus prophezeiht Bettine dies buch gehört dem könig 1, 239; trotzdem dasz ich mir wahrhaftig nichts abgehen ... liesz Gaudy s. w. 2, 64; trotzdem, dasz unsere ansichten über viele dinge fast diametral entgegengesetzte sind Geibel bei C. Litzmann Emanuel Geibel (1887) 206; (...)
    3) die entwicklung zur conjunction geht noch weiter, entweder bis zum einfachen trotzdem (s. u.) oder gelegentlichem trotz dasz: Napoleon muszte den ort beschieszen, trotz dasz er ein eigenes haus darin hat Hebel 2, 398 B.; (...) oder auch zu alleinstehendem trotz: trotz dies mein freund ist, so ist ... doch Varnhagen v. Ense Rahel 1 (1834) 574; (...)

    trotzdem, conj., entstanden aus dem adverb trotzdem (dasz), aus dem sich auch trotz dasz und einfaches trotz als conjunctionen entwickelt haben, s. DWB trotzdem (adv.) 2 u. 3:
    sprang, trotzdem (sie) ihn am mantel festzuhalten strebten ... aus dem (wagen)schlag Gaudy s. w. 2, 73; trotzdem will ich nicht gesagt haben 2, 64; trotzdem würde es derselbe gelehrte ... als ein wahres majestätsverbrechen achten W. H. Riehl d. dtsche arbeit 40; nachrichten ..., die des alten Rochus herz, trotzdem es den Schweden zuneigte, mit stolz ... erfüllten Fontane ges. w. I 1, 15; trotzdem er eigentlich möchte I 1, 300; I 2, 11; I 5, 117; I 5, 118; I 5, 147; I 5, 155; I 6, 8; wie gering ist trotzdem (d. i. trotz der leichten zugänglichkeit), und trotzdem bereits in alpinen zeitschriften auf diese landschaften aufmerksam gemacht wurde, ihr besuch! H. v. Barth nördl. Kalkalpen 397; trotzdem nun mensch und scholle ... am Bramwaldhange beieinander sind Hans Grimm volk ohne raum 1, 11; trotzdem das eine sich aus dem andern entwickelt P. Ernst tageb. (1934) 7. —
    http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode...

    Da sieht man mal, wie schnell die Moden sich ändern. Bei den Grimms noch eine sehr, sehr junge Konjunktion aus dem ebenfalls jungen Adverb entstehend, heute schon wieder veraltend oder gar veraltet und als falsch geltend.

    Tempora mutantur ... wie man in Schwaben sagt.

    Vielleicht sollten wir die Freude anrufen, das streng Geteilte wieder zu binden.
    #31Author Selima (107) 08 Jul 14, 10:39
    Comment
    Es gibt dazu auch eine Umfrage des Atlas zur deutschen Alltagssprache der Uni Augsburg:
    http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstueh...

    "Das Wort trotzdem ist überall im deutschen Sprachgebiet als (Konjunktional-)Adverb gebräuchlich (Trotzdem war es ein schönes Fest.). Daneben ist es aber auch schon spätestens seit dem 19. Jahrhundert (s. DWB) als nebensatzeinleitende Konjunktion üblich, ähnlich wie obwohl/obzwar/obschon (also mit einräumender Funktion), und bewirkt, dass das finite Verb am Ende des Satzes steht. Die Urteile der Grammatiken darüber, ob diese Verwendung von trotzdem standardsprachlich ist, gehen auseinander: Manche meinen, es gelte standardsprachlich als korrekt (so Engel 2009, 406), manche sehen das nicht so (etwa Wahrig-Zweifelsfälle 2003, 440), und bei manchen muss man aus der Kennzeichnung „umgangssprachlich“ wohl schließen, dass sie diesen Gebrauch nicht als standardsprachlich anerkennen (z. B. Zweifelsfälle-Duden 2007)." [...]

    "[...] wäre diese Verwendung von trotzdem in der Alltagssprache gerade im Süden ganz unüblich. Aus allen anderen Gebieten heißt es, dass sie zumindest ab und zu üblich sei; am häufigsten wird dies aus dem Osten Deutschlands gemeldet – dort scheint trotzdem als Subjunktion an manchen Orten auch völlig üblich zu sein."
    #32Author Juni (236103) 08 Jul 14, 11:21
    Comment
    Bertelsmanns Grammatik von 1999 ist da sogar ganz rigoros:

    "Im täglichen Sprachgebrauch, vor allem in der gesprochenen Sprache, wird häufig die Konjunktion obwohl mit dem Adverb trotzdem (dass) verwechselt:
    Obwohl sie krank war, ging sie zur Schule.
    * Trotzdem (dass) sie krank war, ging sie zur Schule.
    Dieser Gebrauch ist nicht normgerecht und daher nicht zu akzeptieren."

    Wer hat eigentlich eine DIN-Norm erlassen? Herr Bertelsmann? Da muss ihm das hier doch höchst sauer aufstoßen:

    "Sie wußte, daß heute der Familienrat sein sollte, und trotzdem daß sie noch nicht lange aus dem Wochenbett war – sie hatte zu Ende des Winters einem Mädchen das Leben geschenkt – trotzdem, daß sie selbst schon genug Kummer und Sorgen zu tragen hatte, war sie, ihren Säugling und ein erkranktes Töchterchen daheim zurücklassend, hergekommen, um zu hören welches das Schicksal Kitys, das sich heute entschieden hatte, sein werde."
    (Tolstoj: Anna Karenina, Übersetzung von Hans Moser, 1920)

    Hier gibt es eine ganze Abhandlung zum Thema: http://www.marialba.com/melsipelfort/trotzdem...
    #33Author Cuauhtlehuanitzin (1009442) 08 Jul 14, 13:01
    Comment
    Der Duden mag inzwischen seine Schwächen haben. Wenn allerdings in der Grammatik von Engel von "Standartsprache" die Rede ist und Sätze wie dieser vorkommen,

    "Im Hauptverfahren ist trotzdem einen Rangierpartikel mit konzessiver Bedeutung"

    gebe dem Duden immer noch den Vorzug.


    #34Authorcassandra (430809) 08 Jul 14, 13:28
    Comment
    Cuau..., du zitiert weiterhin Beispiele, die nichts über den aktuellen Gebrauch aussagen. Wozu? Das hat doch für die Frage hier keinerlei Wert.

    Und was generell das Zitieren von Klassikern als 'Beweis' betrifft: auch etablierte Autoren machen Fehler oder benutzen Idiosynkrasien oder Regionalsismen. 5 Zitate aus der Weltliteratur belegen für mich erst mal nichts (und im letzten Beispiel war es auch noch eine Übersetzung).
    #35Author Gibson (418762) 08 Jul 14, 14:23
    Comment
    Es soll natürlich heißen: "gebe ich dem Duden immer noch den Vorzug".
    #36Authorcassandra (430809) 08 Jul 14, 14:27
    Comment
    Es war eine Übersetzung, natürlich. Eine Wortwahl allerdings, die Übersetzer und Lektor in Ordnung fanden, und Tolstoj wurde damals ja auch nicht irgendwem zum Übersetzen gegeben - darum habe ich den Übersetzer mit genannt. Ich kann aber gerne noch mehr Zitate beisteuern: "Kafka, Werfel, Stifter, Keller, Hauptmann, Gotthelf, Frisch, Dürrenmatt bilden ohne Skrupel solche Sätze." Kafka tut es so oft, dass manche sein "trotzdem dass" fälschlich für einen "Pragazismus" hielten. Der Faden fing aber mit der Unterstellung an, "trotzdem dass ich ..." sei eine neumodische Wendung von Leuten, die nicht richtig Deutsch könnten; dem wollte ich mit den Belegstellen aus der Literatur entgegen treten. Die Konstruktion mag heute nicht allgemein üblich sein, aber direkt falsch ist sie eben auch nicht. Dafür machen zu viele "etablierte Autoren" diesen "Fehler".
    #37Author Cuauhtlehuanitzin (1009442) 08 Jul 14, 17:39
    Comment
    An irgendetwas erinnerte mich dieses "trotzdem"; jetzt bin ich drauf gekommen:
    Es ist ganz anders in der Bach-Motette "Jesu meine Freude" (BWV 227):

    Trotz dem alten Drachen,
    Trotz des Todes Rachen,
    Trotz der Furcht dazu!


    (Dieses Trotzen kommt natürlich erst in der Vertonung richtig zum Ausdruck.) :-)
    #38Author Reinhard W. (237443) 08 Jul 14, 18:47
     
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